glotzi Verlag - Verlag für Schöne Literatur und Essayistik

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Joseph Roth

Die Legende vom heiligen Trinker

Novelle von 1939

Titelzeichnung von Bil Spira, Paris, 1939
Nachwort von Ernst Erich Noth

2014, Paperback, 80 Seiten
Euro 11,80    Buch kaufen
ISBN: 978-3-935333-19-1

»Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!« Mit dieser Bitte endet die Legende vom heiligen Trinker, Roths letztes vollendetes Werk. Der Trinker Andreas, »ein Mann von Ehre«, könnte ein Abbild seiner selbst sein, wäre Joseph Roth nicht der Dichter, der sterbliche Realität wandelt in literarische Realität, in Dichtung, die unsterblich ist.

Joseph Roth, geboren am 2. September 1894 in Galizien, ihm die verlorene Heimat, und gestorben am 27. Mai 1939 in Paris im Exil, traurig zum Tode und todkrank vom Alkohol.

»Es waren vor allem seine Augen, die einen seltsamen Bann ausübten, und sie sollten auch während Roths letzter Lebensjahre nicht diese eigentümliche Gewalt verlieren, als sie schon sehr alkoholgetrübt und sterbensmüde in die Welt blinzelten ...« Aus dem Nachwort von Ernst Erich Noth

»Einen literarischen Salon hat es seit der Zeit der Berliner Romantik und ihrer jungdeutschen Gegenklänge in Deutschland kaum gegeben. Auf jeden Fall nicht im Sinne einer Institution und Tradition, wie das für die gesellschaftlichen Begegnungsstätten und geistigen Umschlageplätze zutrifft, die in Frankreich seit mindestens zwei Jahrhunderten einen wesentlichen Bestandteil des literarischen und ein förderndes Element des kulturellen Lebens bilden. Das gastfreundliche und gepflegte Haus Heinrich und Irma Simons am Untermainkai ließ sich zweifellos nicht mit einem der großen Pariser Salons vergleichen, und es strebte einen solchen Vergleich gewiß nicht an; in mancher Hinsicht kam es diesem Vorbild, für deutsche Verhältnisse und immerhin auf provinziellem Boden, jedoch recht nahe. Unter den Schriftstellern, die hier ein und aus gingen – einige waren in Frankfurt oder Umgebung ansässig, andere befanden sich auf der Durchreise – haben mich damals zwei Gestalten besonders in ihren Bann geschlagen: Fritz von Unruh und Joseph Roth. Größere Kontraste – die dazu schon auf den ersten Blick paradoxaler Natur zu sein schienen – als diejenigen, die sowohl äußerlich wie innerlich zwischen diesen beiden Männern bestanden, lassen sich kaum denken. Ich kann mich übrigens nicht erinnern, sie jemals zusammen angetroffen zu haben; außer angemessenen Höflichkeiten hätten sie einander wahrscheinlich nicht viel zu sagen gehabt; dazu war schon der Kern ihrer Weltanschauung und die Art ihrer dichterischen Aussage viel zu verschieden. Hier wurde gleichsam verkehrte Welt gespielt: der arische ehemalige Berufsoffizier war glühender Pazifist und überzeugter Republikaner; der aus dem ehemals österreichischen Teil Galiziens stammende jüdische k. u. k. Reserveleutnant, obwohl unnachgiebig antitotalitär, war in seinem tiefsten Wesen konservativ und in seiner politischen Gesinnung habsburgtreu monarchistisch. Der expressionistische Ekstatiker und politische Schwarmgeist Unruh predigte den Aufstand gegen die rohe Gewalt und verkündete eine Welt der Brüderlichkeit und Völkerversöhnung; nunmehr hochbetagt von uns geschieden, hat er noch lange zu seiner Verzweiflung erleben müssen, was aus seinen Träumen (nicht) geworden ist. Der verzweifelte Skeptiker Roth trank sich mit einem wissenden Lächeln über die Sinnlosigkeit der sozialen Geste oder der ideologischen Gestik des Dichters in einer aufgelösten Zeit ohne Bindungen und Werte gerade noch rechtzeitig aus ihr hinweg, um den zweiten Untergang des Abendlandes nicht mehr zu erleben.« Ernst Erich Noth, Nachwort, Seite 66-68

Leseprobe - Die Legende vom heiligen Trinker Leseprobe (157 KB)

Bil Spira, Zeichner und Cartoonist, 1913 in Wien geboren, floh 1938 nach dem Einmarsch der deutschen Nazi-Truppen in Österreich nach Paris.

Nach dem deutsch-französischen Waffenstillstand 1940 war er im Untergrund als Fluchthelfer für das Emergency Rescue Committee tätig. Für Schicksalsgenossen, Verfolgte des Hitler-Regimes, wie er selber, fälschte er Ausreisepapiere, bis ihn ein Spitzel 1942 denunzierte. Interniert und an Nazi-Deutschland ausgeliefert erlitt er, gefoltert und misshandelt, mehrere deutsche KZs, und er überlebte.

1945 kehrte er nach Paris zurück, wo er bis zu seinem Tode 1999 lebte und arbeitete. Bil Spira war vom französischen Staat als Widerstandskämpfer anerkannt und seine Verdienste im Kampf gegen das Dritte Reich sind in Frankreich gewürdigt worden.